Deponiegaskraftwerk

Im Fermenter der Biogasanlage zerlegen Mikroorganismen unter sauerstofffreien Bedingungen komplexe organische Substanzen aus Haus- und Gewerbeabfällen in einfache organische Stoffe wie Zucker oder Fettsäuren. Wieder andere Bakterien verwandeln diese in mehreren Schritten in wertvolles Biogas, das im Wesentlichen aus Methan (CH4) und Kohlendioxid besteht. Dabei gilt: Je höher der Methananteil ist, desto besser die Qualität.  Unser Deponiegas enthält in der Regel zwischen 50 und 60 Prozent Methan und 35 bis 45 Prozent Kohlendioxid.

 

Strom aus Biogas: Ökologischer und ökonomischer Gewinn

 

Unkontrolliert in die Umwelt entweichendes Methan ist klimaschädlich, weil es den Treibhauseffekt verstärkt. Außerdem ist es leicht entflammbar und daher unter bestimmten Bedingungen explosiv. Damit diese Effekte nicht zum Tragen kommen, wird das Deponiegas mithilfe eines Gasfassungssystems aus dem Abfallkörper abgesaugt und der energetischen Verwertung (Verstromung) in Gasmotoren zugeführt. Klimaschädliches Methan aus Abfällen wird so klimaneutral in Energie umgewandelt.

 

Das Gasfassungssystem besteht im Wesentlichen aus zahlreichen vertikalen Gasbrunnen, die in bestimmten Abständen in den Abfallkörper eingebaut sind. Diese ermöglichen es, das entstehende Deponiegas über spezielle Leitungen mittels Unterdruck den Gasmotoren zuzuführen, wo die Verstromung stattfindet. Auf seinem Weg zu den Motoren wird das Deponiegas zusätzlich an mehreren Stellen entwässert.

 

Aktuell verfügt die Deponie Flörsheim-Wicker über sieben Gasmotoren, deren Generatoren zusammen eine Gesamtleistung von 5,3 Megawatt haben. Fünf dieser Gasmotoren (Gesamtleistung 3,8 Megawatt) dienen der Verstromung von Deponiegas, die anderen beiden (Gesamtleistung 1,5 MW) der von Biogas aus dem Biogaskraftwerk. Zusätzliche Kapazitäten steuern die drei Gasmotoren der Deponie Brandholz bei (Leistung: 2 x 430 kW und einmal 250 KW) bei. Geplant ist, einen der 430 kW-Motoren im Jahr 2015 durch einen 800-kW-Motor zu ersetzen.

 

Seit dem Jahr 2009 betreibt die RMD ihre Gasmotoren im Mischbetrieb, sodass Biogas und Deponiegas in ein und demselben Motor in Strom umgewandelt werden können.

 

Hohe Energieausbeute

 

Auf der Deponie Flörsheim-Wicker lagern etwa elf Millionen Kubikmeter Hausmüll. Während der Betriebs- und Nachsorgezeit entstehen daraus geschätzt 2,2 Milliarden Kubikmeter Deponiegas. Bei optimaler Deponiegaserfassung lassen sich etwa 50 bis 70 Prozent und damit rund 1,2 Milliarden Kubikmeter der produzierten Gasmenge verwerten. Der Energiegehalt dieser Gasmenge entspricht dem von etwa 500 Millionen Liter Heizöl.

 

Zurzeit saugt die RMD jedes Jahr etwa 15 Millionen Kubikmeter Deponiegas aus der Deponie ab, um daraus rund 30 Millionen Kilowattstunden Strom zu erzeugen. Zuzüglich 3,2 Millionen Kubikmetern Biogas, das ausreicht, um etwa 9 Millionen Kilowattstunden Strom zu erzeugen, ergibt sich daraus rechnerisch eine Gesamtstrommenge von 39 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Diese reicht aus, um rund 11.500 3-Personen-Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen. Darüber hinaus nutzt die Rhein-Main Deponie die Abwärme der Motoren zur Wärme- und Energieversorgung (Kraft-Wärme-Kopplung), um am Standort Flörsheim-Wicker zu heizen.

 

Das Projekt in Zahlen

 

  • Baukosten: 5,1 Millionen Euro
  • Gesamtleistung (7 Gasmotoren): 5,3 Megawatt
  • Deponiegas: 15 Millionen Kubikmeter pro Jahr
  • Erzeugte Strommenge: 39 Millionen kWh pro Jahr; deckt den Strombedarf von ca. 11.500 Haushalten
  • 11 Millionen Kubikmeter Hausmüll ergeben 1,2 Milliarden Kubikmeter Deponiegas
Deponiegaskraftwerk in Wicker
Deponiegaskraftwerk in Brandholz